Brief des Vorstandes

Brief des Vorstandes

Sehr geehrte Damen und Herren,
geschätzte Aktionärinnen und Aktionäre!

Im Geschäftsjahr 2025/26 hat sich unsere strategische Aufstellung als sehr tragfähig erwiesen und es ist uns gelungen, das operative Ergebnis (EBITDA) gegenüber dem Vorjahr von 1.346,4 Mio. EUR auf 1.485,6 Mio. EUR zu steigern. Unser konsequenter Fokus lag weiterhin auf Qualität, Innovation und Effizienz, der breiten Aufstellung nach Regionen und Branchen sowie auf der Konzentration auf internationale Wachstumsprojekte. Die definierten Reorganisationsprojekte wurden konsequent um- bzw. fortgesetzt und darüber hinaus konnten wir wieder zentrale Meilensteine auf dem Weg zur Stahlproduktion mit Net-Zero-CO2-Emissionen erreichen.

Dabei bewegten wir uns erneut in einem sehr herausfordernden Umfeld, das von anhaltenden Unsicherheiten und einer insgesamt gedämpften wirtschaftlichen Dynamik geprägt war. Die geopolitischen Entwicklungen zum Ende des Geschäftsjahres – insbesondere die Eskalation rund um den Iran – haben einmal mehr verdeutlicht, wie schnell und tiefgreifend sich die globalen Rahmenbedingungen verändern können.

Eine spürbare Belastung im Geschäftsjahr 2025/26 waren die internationalen Handelsschranken. Durch die von der US-Administration verhängten massiven Einfuhrzölle kam es zu einer Verschiebung der globalen Handelsströme. Als Management haben wir rasch reagiert, dennoch haben die bereits seit 4. Juni 2025 geltenden Zölle in Höhe von 50 % auf Stahl im letzten Geschäftsjahr zu einer Ergebnisbelastung in Höhe eines hohen zweistelligen Millionen-EUR-Betrages geführt. Die geplanten Handelsschutzmaßnahmen der EU-Kommission sind ein wichtiger Schritt zur Eindämmung der über die vergangenen Jahre erhöhten Importvolumina und zur Sicherung der europäischen Stahlindustrie. Wir gehen davon aus, dass die neuen Import-Handelsschutzmaßnahmen mit 1. Juli 2026 in Kraft treten und die auslaufenden Safeguard-Maßnahmen ersetzen werden.

Strategischer Fokus auf Effizienz

Ein wichtiger Hebel war die konsequente Fortführung der Reorganisation jener Geschäftsbereiche, die mit strukturellen Veränderungen konfrontiert sind. Die Umsetzung der bereits gestarteten Maßnahmen verlief planmäßig. Wie berichtet, stellt die voestalpine den Bereich Automotive Components in Deutschland neu auf. Ziel ist es, den Automobilzulieferbereich der Metal Forming Division langfristig abzusichern. Die High Performance Metals Division konzentriert ihr Produktportfolio auf das technologisch anspruchsvolle Segment der Hochleistungswerkstoffe. Mit der Veräußerung der Buderus Edelstahl in Wetzlar (Deutschland), weltweiten Standortkonsolidierungen, Kapazitätsanpassungen der voestalpine BÖHLER Bleche in Mürzzuschlag (Österreich) und dem Verkauf der voestalpine BÖHLER Profil (Österreich) ist die Portfoliobereinigung innerhalb der Division weitgehend abgeschlossen. Bei der voestalpine Tubulars in Kindberg (Österreich), eine Gesellschaft der Metal Engineering Division, war insbesondere aufgrund der anhaltend niedrigen Ölpreise im Jahr 2025 und den erheblichen Belastungen durch die 50 %-US-Zölle im Hauptabsatzmarkt USA eine Anpassung der Produktion an die Nachfrage notwendig.

Im Zuge der Reorganisationsmaßnahmen wurde unter anderem der Personalstand angepasst. Die Zahl der Mitarbeitenden (gerechnet in Vollzeitäquivalenten) ging im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 % zurück.

Als Unternehmen tragen wir große Verantwortung für unsere Mitarbeiter:innen und haben in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat der jeweiligen betroffenen Gesellschaften Sozialpläne erarbeitet. Dort, wo es möglich ist, haben wir Mitarbeiter:innen Perspektiven an anderen Standorten angeboten.

Internationale Wachstumsprojekte

Im Geschäftsjahr 2025/26 haben wir internationale Wachstumsprojekte in attraktiven Bereichen der Weiterverarbeitung, wie zum Beispiel Railway Systems, Luftfahrt oder Lagertechnik, und in attraktiven Regionen, wie etwa Indien, weiter vorangetrieben.

Mit Aufträgen der Deutschen Bahn (DB) und der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) für Schienen, Weichen und Signaltechnik in Höhe von 500 Mio. EUR konnten wir unsere weltweit führende Position als Systemanbieterin von kompletten Bahninfrastruktursystemen weiter stärken. Die voestalpine Railway Systems stattete außerdem die gesamte Koralmbahn mit ihren hochtechnologischen Produkten aus. Insgesamt kamen rund 290 Kilometer ultralange Premium-Schienen sowie 235 High-Tech-Weichen mit integrierten Verschluss- und Überwachungstechnologien zum Einsatz. Herzstück ist der 33 Kilometer lange Koralmtunnel – der längste Eisenbahntunnel Österreichs und der sechstlängste weltweit.

Kräftiger Rückenwind kam auch aus der internationalen Luftfahrt. Hier sicherten wir uns im vergangenen Geschäftsjahr Aufträge im Wert von rund einer Milliarde Euro für die nächsten 5 Jahre. Ein großer Teil davon wurde mit dem europäischen Flugzeughersteller Airbus vereinbart und umfasst das gesamte Leistungsspektrum – von Hochleistungswerkstoffen über komplexe Schmiedeteile bis hin zu einem umfangreichen globalen Logistikservice. Die Großaufträge sind ein starkes Signal für unsere Innovationskraft und unsere Rolle als strategische Partnerin der internationalen Luftfahrtindustrie. Nahezu jedes neu gebaute zivile Flugzeug fliegt mit einem High-Tech-Produkt der voestalpine.

Ein Rekordergebnis verzeichnete der Bereich Lagertechnik. Zahlreiche internationale Aufträge bestätigen die Qualität der hochqualitativen voestalpine-Produkte auch in diesem Bereich. Im vergangenen Geschäftsjahr konnten wir im Bereich Hochregallagersysteme unseren bisher größten Auftrag – die Errichtung eines modernen, 40 Meter hohen Logistik-Hubs in Istanbul – gewinnen.

Die rasante Industrialisierung, umfangreiche Infrastrukturinvestitionen sowie die steigende Nachfrage nach fortschrittlichen Technologien machen Indien zu einem strategisch interessanten Wachstumsmarkt für die voestalpine außerhalb Europas. Wir sind in Indien mit 12 Gesellschaften und Standorten mit rund 900 Mitarbeiter:innen präsent. Der in Indien erzielte Gesamtumsatz beträgt in etwa 185 Mio. EUR Entsprechend unserer Local-for-Local-Strategie werden wir unser Geschäft gezielt in Segmenten wie Bahnsysteme, Luft- und Raumfahrt, Rohre und Profile sowie Schweißzusatzstoffe weiter ausbauen.

Bedeutende Meilensteine am Weg zur Transformation der Stahlproduktion

Wir sind erfolgreich auf unserem Weg zur nächsten Generation der Stahlerzeugung und werden plangemäß im ersten Halbjahr 2027 an unseren Standorten in Linz und in Donawitz jeweils einen grünstrombetriebenen Elektrolichtbogenofen (EAF) in Betrieb nehmen. Wir errichten derzeit an beiden Standorten je ein Stahlwerk inmitten hochausgelasteter Produktionswerke, was größte logistische Herausforderungen mit sich bringt. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro schreitet planmäßig voran. Mit Geschäftsjahresende waren vom gesamten Investitionsvolumen bereits rund 60 % umgesetzt.

Wir blicken aber noch weiter in die Zukunft und sind erfolgreich auf unserem Weg zur nächsten Generation der Stahlerzeugung. Um das langfristige Ziel einer Stahlproduktion mit Net-Zero-CO2-Emissionen bis 2050 erreichen zu können, forschen wir gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft bereits an mehreren neuen Verfahren und investieren in zukunftsweisende Projekte. Im Herbst 2025 erfolgte gemeinsam mit dem internationalen Anlagenbauer Primetals Technologies und Rio Tinto, einem der global größten Bergbaukonzerne, der Baustart für die weltweit erste industrielle Demonstrationsanlage, die zwei innovative Prozesse – eine wasserstoffbasierte Direktreduktion für ultrafeine Eisenerze und einen elektrischen Schmelzprozess – verbinden wird. Die Gesamtkosten für dieses europäische Leuchtturmprojekt Hy4Smelt belaufen sich auf rund 170 Mio. EUR. Die neue Anlage ist damit nicht nur das historisch größte F&E-Projekt der voestalpine, sondern außerdem das größte Forschungsprojekt für den Klimaschutz in Österreich.

Bei Klimaschutz und Wirtschaft gilt: Ziele sind wichtig, entscheidend ist die Umsetzung. Wir treiben die Transformation unseres Konzerns konsequent voran, auch wenn die dafür notwendigen Rahmenbedingungen in Europa derzeit noch nicht vollständig vorhanden sind. Dazu zählen insbesondere eine ausreichende Versorgung mit erneuerbarer Energie, leistungsfähige Netzinfrastruktur oder genügend Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen. Für eine erfolgreiche Transformation der energieintensiven Industrie müssen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam gedacht werden. Deshalb setzen wir uns für eine rasche Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen ein. Ein zentraler Baustein ist dabei die Verlängerung der Freizuteilung im EU-Emissionshandel. Damit ist sichergestellt, dass wertvolle finanzielle Mittel für Klimaschutzinvestitionen im Unternehmen verbleiben, anstatt ohne Zweckwidmung abgeschöpft zu werden.

Konsequente Weiterentwicklung von health & safety

Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiter:innen sind zentrale Grundwerte der voestalpine. Trotz einer konzernweiten Reduktion der Unfallhäufigkeit um 13 % im Berichtsjahr mussten wir dennoch auch tragische Arbeitsunfälle verzeichnen. Diese Ereignisse zeigen klar, dass erzielte Fortschritte nicht ausreichen und wir uns im Bereich health & safety weiter verbessern müssen. Die Unfälle werden umfassend aufgearbeitet und zum Anlass genommen, unsere Strukturen, Prozesse und unser sicherheitsbezogenes Handeln kritisch zu hinterfragen sowie konsequent weiterzuentwickeln. Unabhängig davon bereiten wir ein umfangreiches konzernweites health & safety-Programm vor, das sowohl die Sicherheitskultur als auch die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessert. Unsere Vision bleibt dabei unverändert: null Arbeitsunfälle und keine berufsbedingten Erkrankungen. Dieses Ziel ist Maßstab und Verpflichtung unseres Handelns.

Dividendenvorschlag

Der Vorstand und der Aufsichtsrat der voestalpine werden der Hauptversammlung vorschlagen, für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende in Höhe von 0,75 Euro je Aktie auszuschütten. Dabei kommt erstmals die Dividendenpolitik zum Tragen, die Teil unserer neuen Kapitalallokationsstrategie ist. Grundlage bildet eine Ausschüttungsquote von 30 % des Ergebnisses je Aktie (Earnings per Share, EPS), sofern der Verschuldungsgrad des Konzerns – gemessen als Verhältnis von Nettofinanzverschuldung zu EBITDA – nach Berücksichtigung der Dividendenzahlung den Wert von 2,0 nicht überschreitet. Unabhängig davon sieht diese Strategie vor, eine Mindestdividende in Höhe von 40 Eurocent je Aktie auszuschütten.

30 Jahre an der Wiener Börse

Der Start der neuen Dividendenpolitik fällt in ein Geschäftsjahr, in dem sich ein ganz besonderer Tag in der Historie der voestalpine AG zum 30. Mal gejährt hat: Der Börsengang am 9. Oktober 1995 war der Ausgangspunkt für einen umfassenden Veränderungsprozess, der die voestalpine zu dem gemacht hat, was sie heute ist: ein weltweit tätiger Stahl- und Technologiekonzern mit Standorten in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Die Verpflichtung zu Transparenz und Klarheit sowie die Möglichkeit, uns mit den Besten zu messen, haben die voestalpine zu einem hochprofessionellen, zielorientierten Unternehmen geformt. Wir danken unseren Aktionär:innen für ihr Vertrauen.

Zeichen der Kontinuität

Gerade in sehr volatilen Zeiten gewinnen Kontinuität und Stabilität an Bedeutung. Das spiegelt sich auch in der Verlängerung des Vorstandsteams durch den Aufsichtsrat wider. Konkret wurden die bisher mit drei Jahren befristeten Vorstandsmandate von Gerald Mayer, Finanzvorstand, Reinhard Nöbauer, Leiter der High Performance Metals Division, und Carola Richter, Leiterin der Metal Forming Division, ab dem 1. April 2027 verlängert. Gerald Mayer (55) und Carola Richter (53) werden ihre Tätigkeiten für fünf Jahre (bis 31. März 2032) fortsetzen. Der Vertrag von Reinhard Nöbauer (62) wird um weitere drei Jahre bis 31. März 2030 verlängert. Unverändert bleiben die schon bisher über fünf Jahre laufenden Mandate von CEO Herbert Eibensteiner, Franz Kainersdorfer als Leiter der Metal Engineering Division und Hubert Zajicek als Leiter der Steel Division. Ihre Verträge laufen bis zum 31. März 2029.

Danke für das Engagement

Die robuste Strategie hat uns in einem sehr anspruchsvollen Umfeld durch das Geschäftsjahr 2025/26 getragen. Doch auch die beste Strategie entfaltet ihre Wirkung nur durch die Menschen, die sie tagtäglich mit Leben füllen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es, die mit ihrem Engagement und ihrer Kompetenz gerade in anspruchsvollen Zeiten das Rückgrat unserer Entwicklung bilden und maßgeblich dazu beitragen, unseren langfristigen Erfolg zu sichern. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken!

Linz, am 26. Mai 2026

Der Vorstand

Herbert Eibensteiner e. h.

Reinhard Nöbauer e. h.

Franz Kainersdorfer e. h.

Carola Richter e. h.

Gerald Mayer e. h.

Hubert Zajicek e. h.

EAF (Electric Arc Furnace)
Elektrolichtbogenofen.
EBITDA (Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization)
Ergebnis vor Steuern, Anteilen nicht beherrschender Gesellschafter, Finanzergebnis und Abschreibungen.
Nettofinanzverschuldung
Verzinsliche Verbindlichkeiten abzüglich verzinsliches Vermögen.
Vollzeitäquivalent (FTE)
Ein:e Vollzeitmitarbeiter:in entspricht einem Vollzeitäquivalent von eins, teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter:innen werden mit einer ihrem Beschäftigungsausmaß entsprechenden Quote berücksichtigt.

Worüber möchten Sie mehr erfahren?

Ergebnisse