SBM-1 – Strategie, Geschäfts­modell und Wertschöp­fungs­­kette

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SBM-1 – Strategie, Geschäfts­modell und Wertschöp­fungs­­kette

Die voestalpine ist ein global tätiger Stahl- und Technologiekonzern mit kombinierter Werkstoff- und Verarbeitungskompetenz. Die Organisationsstruktur des Konzerns besteht aus einer Holding und vier Divisionen. Mit hochwertigen Produkt- und Systemlösungen aus Stahl und anderen metallischen Werkstoffen ist die voestalpine eine führende Partnerin in der Automobil-, Energie-, Maschinenbau-, Konsumgüter- sowie Luftfahrtindustrie. Zudem ist die voestalpine Weltmarktführerin bei Bahninfrastruktursystemen, hochqualitativem Werkzeugstahl und Spezialprofilen. Die voestalpine bietet keine Produkte oder Dienstleistungen an, für die in den jeweiligen Märkten Verbote gelten. Die breite Kund:innen-Basis trägt zur Ergebnisstabilität in einem insgesamt zyklischen Marktumfeld bei.

Die Steel Division setzt in der Stahlerzeugung seit Jahren Umweltbenchmarks und entwickelt wasserstoffbasierte Zukunftstechnologien zur Verwirklichung einer emissionsarmen Stahlproduktion. Mit ihren hochwertigen Stahlbändern ist die Steel Division Partner:in namhafter Automobilhersteller:innen und ‑zuliefer:innen weltweit.

Die High Performance Metals Division ist global führend in der Herstellung und Weiterverarbeitung metallischer Hochleistungsstoffe – insbesondere von Schnellarbeitsstahl und anderen Spezialstählen sowie Titan- und Nickel-Basislegierungen. Abnehmer:innen dieser Produkte sind beispielsweise die Zulieferindustrie für die Automobil- und Konsumgüterbranche, der Sondermaschinenbau sowie die Luftfahrtindustrie. Mit der Veräußerung der Buderus Edelstahl in Wetzlar im Geschäftsjahr 2024/25, Standortkonsolidierungen außerhalb Österreichs, Kapazitätsanpassungen der voestalpine BÖHLER Bleche in Mürzzuschlag und dem Verkauf der voestalpine BÖHLER Profil ist die Portfoliobereinigung innerhalb der High Performance Metals Division weitgehend abgeschlossen.

Die Metal Engineering Division ist mit ihrem Geschäftsbereich Railway Systems weltweit führend in der Bereitstellung integrierter Fahrwegsysteme. Sie bietet maßgeschneiderte Gesamtlösungen für sämtliche Bahninfrastruktursegmente – vom Nahverkehr über Mischverkehr bis hin zu Schwerlast- und Hochgeschwindigkeitsnetzen. Mit den Industrial Systems ist die Division darüber hinaus europäische Marktführerin für Qualitätsdraht und Schweißkomplettlösungen. Im Rahmen von greentec steel arbeitet und forscht die Metal Engineering Division zudem intensiv an unterschiedlichen Innovationen, klimafreundlichen Technologien und Produktionsverfahren.

Die Metal Forming Division ist das Kompetenzzentrum für hochentwickelte Profil-, Rohr- und Präzisionsbandstahlprodukte sowie für einbaufertige Systemkomponenten aus Press-, Stanz- und rollprofilierten Teilen. Diese Produkte finden in einer Vielzahl von Branchen Anwendung.

Umsatz nach Regionen

 

 

2024/25

 

2025/26

 

 

Gesamt

 

Prozent

 

Gesamt

 

Prozent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Europäische Union (ohne Österreich)

 

8.969,3

 

57 %

 

8.784,5

 

58 %

Österreich

 

1.083,2

 

7 %

 

1.074,4

 

7 %

USMCA

 

2.192,1

 

14 %

 

2.078,9

 

14 %

Asien

 

1.430,5

 

9 %

 

1.193,5

 

8 %

Südamerika

 

528,0

 

3 %

 

447,3

 

3 %

Übrige Welt

 

1.540,6

 

10 %

 

1.484,5

 

10 %

Summe Umsatz nach Regionen

 

15.743,7

 

100 %

 

15.063,1

 

100 %

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mio. EUR

Umsatz nach Divisionen

 

 

2024/25

 

2025/26

 

 

Gesamt

 

Prozent

 

Gesamt

 

Prozent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steel Division

 

5.799,1

 

37 %

 

5.730,6

 

38 %

High Performance Metals Division

 

3.182,2

 

20 %

 

2.749,7

 

18 %

Metal Engineering Division

 

4.167,9

 

27 %

 

4.054,7

 

27 %

Metal Forming Division

 

3.125,1

 

20 %

 

3.030,1

 

20 %

Holding & Group Services

 

1.012,4

 

6 %

 

944,2

 

6 %

Konsolidierung

 

−1.543,0

 

−10 %

 

−1.446,2

 

−9 %

Summe Konzern

 

15.743,7

 

100 %

 

15.063,1

 

100 %

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mio. EUR

Umsatz nach Branchen

 

 

2024/25

 

2025/26

 

 

Gesamt

 

Prozent

 

Gesamt

 

Prozent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Automobilindustrie

 

4.772,2

 

30 %

 

4.560,7

 

30 %

Energieindustrie

 

2.711,7

 

17 %

 

2.413,1

 

16 %

Bahnsysteme

 

2.266,2

 

15 %

 

2.211,0

 

15 %

Bauindustrie

 

1.503,6

 

10 %

 

1.480,9

 

10 %

Maschinen- und Stahlbau

 

1.280,7

 

8 %

 

1.189,5

 

8 %

Haushaltsgeräte/Konsumgüter

 

651,2

 

4 %

 

624,2

 

4 %

Luftfahrt

 

543,4

 

3 %

 

603,3

 

4 %

Sonstige

 

2.014,7

 

13 %

 

1.980,4

 

13 %

Summe Umsatz nach Branchen

 

15.743,7

 

100 %

 

15.063,1

 

100 %

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mio. EUR

Die voestalpine ist in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten mit rund 500 Konzerngesellschaften und ‑standorten aktiv. Zum Bilanzstichtag 31. März 2026 waren im voestalpine-Konzern weltweit 48.010 (2024/25: 49.298) Mitarbeiter:innen (inklusive Lehrlinge) beschäftigt. 50,1 % (2024/25: 49,3 %) der Mitarbeiter:innen waren in Österreich tätig, 49,9 % (2024/25: 50,7 %) arbeiteten an Standorten außerhalb Österreichs.

Mitarbeiter:innen nach Regionen

Personenzahl, jeweils zum Stichtag 31.03.

 

2024/25

 

2025/26

 

 

Gesamt

 

Prozent

 

Gesamt

 

Prozent

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Europäische Union (ohne Österreich)

 

13.732

 

29 %

 

13.211

 

28 %

Österreich

 

24.323

 

49 %

 

24.039

 

50 %

USMCA

 

3.388

 

7 %

 

3.220

 

7 %

Asien

 

3.190

 

6 %

 

3.121

 

6 %

Südamerika

 

2.694

 

5 %

 

2.530

 

5 %

Übrige Welt

 

1.971

 

4 %

 

1.889

 

4 %

Summe Mitarbeiter:innen

 

49.298

 

100 %

 

48.010

 

100 %

Die Konzernstrategie 2030+ gibt dabei den Weg der voestalpine für die kommenden Jahre vor und ist unsere Antwort auf die Herausforderungen und Chancen, die sich aus einem dynamischen, sich ständig verändernden Umfeld ergeben. Die grundlegenden Kernziele unserer Strategie sind das nachhaltige, wertsteigernde Wachstum in attraktiven Feldern der Weiterverarbeitung von Stahl und metallischen Werkstoffen sowie die langfristige Sicherung der Zukunftsfähigkeit und Resilienz des Unternehmens.

Nach dem Credo „We are shaping a better, safer and more sustainable future“ – „Wir gestalten eine bessere, sicherere und nachhaltigere Zukunft“ haben wir uns als Stahl- und Technologiekonzern das Ziel gesetzt, wirtschaftlich führend zu sein, mit nachhaltigen, innovativen Produkt- und Systemlösungen aus hochqualitativem Stahl und metallischen Hochleistungswerkstoffen. Wir nutzen dabei unsere einzigartige Kombination aus Werkstoff- und Verarbeitungskompetenz, um innovative Lösungen zu entwickeln, die unseren Kund:innen einen echten Wettbewerbsvorteil bieten. Die dezentrale divisionale Organisationsstruktur des Unternehmens erhöht dabei die Kundennähe, Geschwindigkeit, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit unserer spezialisierten Geschäftsbereiche, die breite Diversifikation über Segmente, Regionen und Produkte sorgt für zusätzliche Stabilität. Vernetzung und die Nutzung von Synergien zwischen den Geschäftsbereichen schaffen Mehrwert im Konzernverbund. Zudem führt unsere stabile Eigentümerstruktur zu strategischer Eigenständigkeit im Interesse aller Stakeholder:innen. Entsprechend unserem übergeordneten strategischen Ziel der Wertsteigerung und damit der Erhöhung des Unternehmenswerts ist das fokussierte Wachstum in attraktiven, renditestarken Bereichen wie der Schieneninfrastruktur, der Luftfahrtindustrie sowie bei Spezialprofilen und in der Lagertechnik ein wesentlicher strategischer Pfeiler. Wir entwickeln unser Angebotsportfolio mit innovativen Lösungen weiter, stärken unsere Differenzierungsfaktoren in unseren Kernmärkten und setzen auf eine weitere zielgerichtete Internationalisierung in Wachstumsmärkten und ‑regionen.

Ein aktives und konsequentes Management unseres Portfolios mit Fokus auf Effizienz in allen Bereichen und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unserer (Produktions-)Standorte sowie der Reorganisation renditeschwacher Geschäftsbereiche sichert zudem die Zukunftsfähigkeit und Resilienz des Unternehmens und bildet damit den zweiten wesentlichen Pfeiler unserer Strategie. Die wirtschaftlich erfolgreiche Dekarbonisierung der hochofenbasierten Stahlerzeugung mit dem klaren Ziel von Net-Zero-Emissionen bis 2050 und dem weiteren Auf- und Ausbau der Kreislaufwirtschaft bildet den dritten wesentlichen Pfeiler unserer Strategie. Als internationaler Konzern bekennen wir uns zu den globalen Klimazielen und arbeiten intensiv an Technologien zur Reduktion von Treibhausgasemissionen sowie an der langfristigen Dekarbonisierung.

Nachhaltigkeitsstrategie und ‑ziele

Die Nachhaltigkeitsstrategie der voestalpine ist ein integraler Bestandteil der Konzernstrategie und wird in den einzelnen Divisions-, Geschäftsbereichs- und Funktionalstrategien operationalisiert. Die voestalpine verfolgt mit ihrer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie einen ganzheitlichen Ansatz und hat für jedes Handlungsfeld strategische Leitsätze und Ziele formuliert. Die Nachhaltigkeitsstrategie basiert auf den drei Säulen „Wirtschaft & integre Unternehmensführung“, „Engagierter Klima- & Umweltschutz“ und „Mitarbeiter:innen & Gesellschaft“.

Im Rahmen des Stakeholder:innen-Managements werden die Strategie und die diesbezüglichen Fortschritte der voestalpine intern und extern kommuniziert. Hierfür steht die voestalpine auch in Kontakt mit allen relevanten Stakeholder:innen und gestaltet den Dialog verantwortungsvoll, lösungsorientiert und transparent. Dazu dienen zahlreiche Formate wie Fachgespräche, Expert:innen-Runden, Konferenzen und Messen sowie Analyst:innen- und Investor:innen-Meetings. Zudem ist die voestalpine in den verschiedensten Gremien von Interessenvertretungen, Branchenverbänden und ‑initiativen unter Einhaltung des gültigen Verhaltenskodex aktiv. Weitere Informationen zum Stakeholder:innen-Management finden Sie im Abschnitt SBM‑2. Die 2023 neu geschaffene Abteilung Group Sustainability fungiert als zentrale Koordinationsstelle für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie.

Nachhaltigkeitsstrategie – Strategische Handlungsfelder

Die Nachhaltigkeitsstrategie 2030+ ist integraler Bestandteil der Konzernstrategie 2030+.
Das klar definierte Ziel lautet: Sicherung des langfristigen Erfolges, indem wir wirtschaftliche, ökologische und gesellscha􀈍liche Ziele in Einklang bringen und damit bleibende Werte für heutige sowie künftige Generationen schaffen. Die wirtschaftlich erfolgreiche Dekarbonisierung ist dabei zentraler Erfolgsfaktor.
Die Strategie stützt sich auf drei zentrale Säulen:
Wirtschaft & integre Unternehmensführung,
Engagierter Klima- und Umweltschutz sowie
Mitarbeiter:innen & Gesellschaft.
Diese Säulen werden durch klar definierte Handlungsfelder operationalisiert. Diese lauten wie folgt:
Wirtschaftliche Transformation in Richtung Net Zero
Wirtschaftliche Rohstoff- und Energieversorgung
Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung
Luft-, Wasser-, Bodenemissionen und Biodiversität
Innovative, nachhaltige Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle
Nachhaltige Lieferkette
Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter:innen.
Geleitet wird die Nachhaltigkeitsstrategie von dem konzernweiten Credo:
Wir handeln verantwortungsbewusst und ganzheitlich. (Organigramm)

Angesichts des wachsenden Drucks zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und der Notwendigkeit, den Klimawandel einzudämmen, müssen Stahlhersteller:innen alternative Wege für eine umweltfreundlichere Produktion finden. Die voestalpine investiert in wasserstoffbasierte und zukunftsweisende Technologien, um eine emissionsarme Produktion zu ermöglichen.

Die voestalpine bekennt sich zu klaren Nachhaltigkeitszielen und sieht bis 2050 Net-Zero-Emissionen vor. Im Rahmen der Science Based Targets initiative (SBTi) verpflichtet sich das Unternehmen, die Summe der Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis 2029 um 30 % und die Scope-3-Emissionen um 25 % gegenüber dem Referenzjahr 2019 zu reduzieren. Diese geplante Reduktion entspricht einem „well-below 2 °C“-Szenario. Diese Zielsetzung wurde auf konzernaler Ebene gesetzt und bezieht sich auf die schrittweise Dekarbonisierung der Produktionsstandorte. Das Ziel wurde nicht für Kund:innen-Gruppen, spezifische Produkte oder Regionen operationalisiert. Die Zielerreichung unterliegt auch externen Faktoren und Einflussgrößen wie der Verfügbarkeit von Rohstoffen und Energie sowie den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel E1.

Um der Herausforderung dieser Dekarbonisierung der Stahlerzeugung unter Erhalt der Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu begegnen und das Net-Zero-Ziel bis 2050 zu erreichen, hat die voestalpine das ambitionierte Klimaschutzprogramm greentec steel als ein Kernelement in der Konzern- und Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Dabei wird die hochofenbasierte Stahlerzeugung in der Steel Division und der Metal Engineering Division schrittweise bis 2050 dekarbonisiert.

In der ersten Phase werden bereits 1,5 Mrd. EUR in einen grünstrombetriebenen Elektrolichtbogenofen in Linz und in eine grünstrombetriebene Elektrolichtbogenofenanlage in Donawitz investiert, die jeweils einen Hochofen ersetzen sollen. Je nach Qualitätsanforderungen kommt dabei ein Materialmix aus Schrott, flüssigem Roheisen und Hot Briquetted Iron (HBI) zum Einsatz. Diese sich bereits in Bau befindlichen Elektrolichtbogenöfen werden 2027 in Betrieb gehen und bis 2029 durch verstärkten Einsatz von Strom anstelle von Kohle und Koks maßgeblich die Scope-1- und Scope-2-CO2-Emissionen um insgesamt 30 % senken. Dies entspricht fast 5 % der jährlichen CO2-Emissionen Österreichs und macht greentec steel zum größten Klimaschutzprogramm des Landes.

Weitere Informationen zum Klimaschutzprogramm greentec steel entnehmen Sie den Kapiteln E1 sowie I, F&E.

Weitere Herausforderungen für die voestalpine im Zusammenhang mit dem Klimawandel liegen in der Sicherung der benötigten Rohstoffe und Energieträger, deren Bedarfe sich im Zuge der Transformation der Stahlerzeugung verändern. Um diese Herausforderungen zu adressieren, hat sich die voestalpine die strategischen Ziele gesetzt, die Versorgung der Produktionsstandorte mit den benötigten Rohstoffen und Energien langfristig und wirtschaftlich abzusichern sowie die Kreislaufwirtschaft weiter auszubauen und den Einsatz von Schrott als Sekundärrohstoff in der Stahlerzeugung bis 2030 um 50 % zu erhöhen. Entsprechende Maßnahmenpakete werden bereits umgesetzt und werden weiterhin entwickelt. Weitere Informationen dazu finden Sie in den Kapiteln E1 und E5.

Eine weitere strategische Herausforderung für die voestalpine im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit liegt darin, auch künftig qualifizierte und motivierte Mitarbeiter:innen als Basis für den wirtschaftlichen Erfolg bedarfsgerecht zu gewinnen und zu halten. Dazu setzt die voestalpine – auf der Grundlage des bereits hohen Engagements und der überdurchschnittlichen Mitarbeiter:innen-Bindung – auf unterschiedliche Konzepte und Maßnahmen. Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel S1.

Darüber hinaus sind die Gesundheit der Mitarbeiter:innen und die laufende Sicherstellung und Erhöhung der Arbeitssicherheit zentrale Grundwerte der voestalpine und haben oberste Priorität. Daher wird kontinuierlich an der weiteren Reduktion der Unfallhäufigkeit sowie der Erhöhung der Gesundheitsquote gearbeitet, um sich der Vision von „Zero Accidents“ anzunähern. Strategisch soll die Unfallhäufigkeitsquote bis 2030 auf 5,5 gesenkt werden. Konzernweite Sicherheitsstandards bilden das Fundament einer erfolgreichen health & safety-Unternehmenskultur. Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel S1.

Die voestalpine adressiert auch die Nachhaltigkeit in der Lieferkette und arbeitet daran, der identifizierten wesentlichen negativen Auswirkung zu begegnen. Weitere Informationen dazu finden sich nachfolgend und im Kapitel S2.

Wertschöpfungskette und Geschäftsmodell

Den Kern des Geschäftsmodells der voestalpine bildet die effiziente Produktion und Weiterverarbeitung von hochwertigen Stahlerzeugnissen und anderen metallischen Hochleistungswerkstoffen für Anwendungen mit hohem Qualitäts- und Technologieanspruch unter Einhaltung strenger Nachhaltigkeitsstandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese erstreckt sich vom Abbau von Rohstoffen über die Produktion bis hin zur Nutzung und zum Recycling der Produkte. Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht die umfassende Wertschöpfungskette der voestalpine, bei der die vorgelagerte Wertschöpfung, die eigenen Aktivitäten und die nachgelagerte Wertschöpfung berücksichtigt werden.

In der vorgelagerten Wertschöpfungskette ist die voestalpine auf essenzielle Rohstoffe wie Eisenerz, verschiedene Legierungen, Stahlschrott, Kohle und Koks angewiesen, die aus den Herkunftsregionen Nordamerika, Südamerika, Europa, Afrika, Australien und aus Teilen Asiens bezogen werden. Im Zuge des Übergangs zur emissionsarmen Produktion verändert sich durch die technologische Transformation der Bedarf an Rohstoffen. So wird neben dem schrittweisen Rückgang des Einsatzes von Kohle und Koks beispielsweise auch der Bedarf an Eisenerz durch die strategische Erhöhung des Einsatzes von recyceltem Stahlschrott geringer. Dieser recycelte Schrott stammt sowohl aus industriellen als auch aus Post-Consumer-Quellen.

Zusätzlich zu den Rohstoffen ist die Versorgung mit Energie, die von regionalen und internationalen Energieversorgern bereitgestellt wird, von entscheidender Bedeutung. Das betrifft auch die notwendige Versorgung mit Wasser. Ebenso essenziell sind weitere Materialien, Maschinen und Betriebsmittel, die von globalen Lieferant:innen beschafft werden. Globale Logistikdienstleister:innen sowie zum Teil auch die unternehmenseigene Logistik übernehmen den Transport der Rohstoffe und weiterer Waren zu den Produktionsstandorten.

Die Kombination aus Werkstoff- und Verarbeitungskompetenz als wesentlicher Faktor für den Erfolg der voestalpine zeigt sich in einer breiten Wertschöpfungskette in der konzerneigenen Geschäftstätigkeit. Diese reicht von der Stahlerzeugung und weiterer Be- und Verarbeitung sowie Veredelung der Produkte bis zur Herstellung von einbaufertigen Komponenten, Systemlösungen und Dienstleistungen. Die Stahlerzeugung erfolgt an Standorten in Österreich, Schweden und Brasilien, die weiteren Produktionsschritte hingegen finden an global verteilten Standorten statt. Die spezifischen Tätigkeiten und finalen Produkte der Divisionen variieren dabei je nach Geschäftsbereich. Die eigene Logistik ist für den Transport von Materialien und Halbfertigprodukten an und zwischen den Standorten des Unternehmens zuständig. An ihren großen Produktionsstandorten erzeugt die voestalpine aus Prozessgasen Strom, der im Produktionsprozess und in nachgelagerten Verarbeitungsschritten verwendet wird. Dadurch kann der Konzern einen großen Teil seines Strombedarfs aus Eigenerzeugung decken.

Die voestalpine erzeugt unterschiedliche Flach- und Langprodukte, aber auch bereits weiter verarbeitete Produkte und einbaufertige Komponenten z. B. für den Werkzeugbau, die Automobil- und Energieindustrie, die Luftfahrt, den Bau und Maschinenbau, die Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie bis hin zu Systemlösungen etwa für die Eisenbahninfrastruktur oder die Lagertechnik.

Forschung und Entwicklung wird hinsichtlich aller Produktionsaktivitäten der voestalpine verfolgt, ein besonderer Fokus liegt dabei im Bereich der Dekarbonisierung der Stahlerzeugung. Durch den verstärkten Ausbau der Circular Economy, insbesondere mit dem Einsatz recycelter Materialien wie Stahlschrott oder der Wiederaufbereitung von Nebenprodukten, wird die Produktion nachhaltiger gestaltet. Gleichzeitig ermöglichen modernste Technologien und optimierte Prozesse eine Steigerung der Effizienz entlang der gesamten Produktionskette und eine deutliche Verbesserung der Ökobilanz.

In den eigenen Geschäftstätigkeiten legt die voestalpine großen Wert auf die Sicherheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter:innen, um eine nachhaltige und verantwortungsvolle Produktion zu gewährleisten. Die Mitarbeiter:innen können ihre Interessen gegenüber dem Unternehmen auf verschiedenen Wegen äußern und darauf vertrauen, dass ihre Bedürfnisse in Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden.

Die nachgelagerte Wertschöpfungskette umfasst den weltweiten Transport der Produkte der voestalpine zu Geschäftskund:innen, deren industrielle Weiterverarbeitung sowie die finale Nutzung durch Endkund:innen. Nach der Nutzung werden die Produkte zum Teil recycelt. Das fördert die Kreislaufwirtschaft und trägt zu den Nachhaltigkeitszielen des Unternehmens bei. Bei geplanten betrieblichen Veränderungen an den Standorten werden die Anrainergemeinden, die politischen Akteur:innen und weitere Interessengruppen eingebunden, um lokale Ansprüche zu berücksichtigen und soziale Akzeptanz zu fördern.

Die Kund:innen der voestalpine setzen sich aus Geschäftskund:innen aus verschiedenen Industrien und geografischen Märkten zusammen, insbesondere aus der Automobil-, Energie- und Luftfahrtindustrie, der Bahninfrastruktur, dem Maschinenbau sowie der Bau- und der Konsumgüterindustrie. Die geografischen Hauptmärkte liegen in Europa, Nord- und Südamerika, Asien sowie, je nach Geschäftsbereich, in zusätzlichen ergänzenden Märkten.

Die voestalpine steht in engem Dialog mit ihren Kund:innen, die zunehmend hohe Anforderungen an die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks in ihren Lieferketten stellen. Diese Nachfrage nach „grünem Stahl“ hat zu einer verstärkten Entwicklung von Lösungen geführt, die gemeinsam mit den Kund:innen erarbeitet werden, um die Effizienz zu steigern und Emissionen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu senken. Dazu zählen innovative Recyclingprozesse und energieeffiziente Produktionstechnologien.

Die voestalpine legt zudem großen Wert auf Transparenz in der Wertschöpfungskette. Umweltauswirkungen sowie negative soziale Auswirkungen, wie etwa Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen, sollen so weit wie möglich minimiert werden. In der Zusammenarbeit mit Lieferant:innen wird auf die Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards geachtet.

Wertschöpfungskette voestalpine

 (Grafik )
HBI (Hot Briquetted Iron)
Heißbrikettiertes Eisen.

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