Bericht über den Geschäfts­verlauf und die wirtschaftliche Lage

Bericht über den Geschäfts­verlauf und die wirtschaftliche Lage

Europa/EU

Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa verlief im Geschäftsjahr 2025/26 insgesamt verhalten. Zu Beginn des Berichtszeitraumes stagnierte das BIP nahezu, wobei der Dienstleistungssektor leichte positive Tendenzen zeigte, während die Industrieproduktion auf niedrigem Niveau verharrte. Mit Kalenderjahreswechsel konnte die Wirtschaftsdynamik vorerst etwas an Fahrt aufnehmen.

Zusätzliche Unsicherheit erzeugte die Verschlechterung der internationalen Handelsbeziehungen. Die US‑Zollpolitik führte nach dem sogenannten Liberation Day im April 2025 in weiterer Folge über das gesamte Geschäftsjahr 2025/26 zu erheblicher Unsicherheit. Nach intensiven Verhandlungen und letztlich einer Supreme Court-Entscheidung, welche die Zollbestimmungen wieder aufgehoben hat, wurden von der US-Administration neuerliche Zollregelungen in Kraft gesetzt. Davon unberührt galten jedoch über den gesamten Berichtszeitraum 50 % Zoll auf alle – und damit auch europäische – Stahlprodukte.

Gegen Ende des Geschäftsjahres 2025/26 trübten geopolitische Entwicklungen die Stimmung. Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und daraus resultierende Störungen im Öl- und Gasmarkt führten weltweit zu deutlich steigenden Energiepreisen und wirkten negativ auf das ökonomische Sentiment in Europa.

In Summe war das Geschäftsjahr 2025/26 damit von schwacher Industriekonjunktur, einem belastenden außenwirtschaftlichen Umfeld und geopolitischen Risiken geprägt. In diesem Umfeld entwickelte sich die Nachfrage in den Bereichen Bau, Maschinenbau und Konsumgüter durchwegs schwach. Die Automobilindustrie zeigte ein differenziertes Bild: Hochqualitative Stahlbleche wurden weiterhin gut nachgefragt, die Nachfrage nach Automobilkomponenten war über den Berichtszeitraum hinweg wenig zufriedenstellend. Strategische Marktsegmente wie Eisenbahninfrastruktur, Luftfahrt und Lagertechnik entwickelten sich trotz der schwierigen Konjunktursituation sehr positiv.

Nordamerika/USA

Die wirtschaftliche Entwicklung in Nordamerika blieb über den Verlauf des Geschäftsjahres 2025/26 insgesamt solide. Trotz einer Phase intensiver handelspolitischer Spannungen – geprägt von Zollankündigungen, deren Rücknahmen sowie anschließenden Verhandlungen und letztlicher Gerichtsentscheidung des Supreme Court – zeigte die US‑Wirtschaft eine robuste Grunddynamik.

Wachstumstreiber waren insbesondere Investitionen im Technologiesektor, vor allem im Umfeld künstlicher Intelligenz, sowie ein stabiler privater Konsum. Die Bauwirtschaft entwickelte sich außerhalb des KI‑Booms hingegen deutlich verhaltener, und auch die Industrieproduktion wies nur eine stabile Tendenz auf. Im Herbst 2025 führte der längste Government Shutdown der US‑Geschichte zu einer temporären Wachstumsabschwächung, die vor allem aus sinkenden Staatsausgaben resultierte, aber letztlich nur temporär wirkte. Gegen Ende der Berichtsperiode führte die Auseinandersetzung mit dem Iran auch in Nordamerika zu deutlich gestiegenen Energiepreisen und somit zu Unsicherheiten in der wirtschaftlichen Entwicklung. Bei den nordamerikanischen Standorten der voestalpine führten die Rahmenbedingungen zu zurückhaltendem Bestellverhalten. Tooling und Automotive Components entwickelten sich volatil, während die Lieferungen von Produkten für die Öl‑ und Gasindustrie aufgrund der Handelsbeschränkungen gering blieben. Dagegen verzeichneten Luftfahrt, Eisenbahnsysteme und Lagertechnik im gesamten Geschäftsjahr 2025/26 eine gute Nachfrage.

Südamerika/Brasilien

Die brasilianische Wirtschaft, für die voestalpine der wichtigste südamerikanische Markt, verlor im Verlauf des Geschäftsjahres 2025/26 an Schwung. Während der Dienstleistungssektor, die Agrarwirtschaft und der private Konsum weiterhin positiv wirkten, belasteten hohe Leitzinsen die Industrieproduktion deutlich. Zusätzlich wirkten erhöhte chinesische Importe sowie eingeschränkte Exportmöglichkeiten nach Nordamerika – bedingt durch das US‑Zollregime – dämpfend auf die Marktentwicklung. Obwohl gegen Ende des Geschäftsjahres 2025/26 die Inflation in Brasilien unter 4 % fiel und der Leitzins (Selic-Rate) um 0,25 % auf nun 14,75 % gesenkt wurde, führten der Nahost-Konflikt und die damit einhergehenden steigenden Ölpreise auch für die brasilianische Wirtschaft zu weiterer Unsicherheit.

Für die brasilianischen voestalpine‑Standorte bedeuteten diese Entwicklungen im Geschäftsjahr 2025/26 einen markanten Rückgang der Nachfrage im Spezialstahlbereich. Auch Tubes & Sections war in mehreren Segmenten rückläufig, während Railway Systems eine stabile und gute Nachfrage aufrechterhielt.

Asien/China

Das wirtschaftliche Umfeld in China war im Geschäftsjahr 2025/26 stark von handelspolitischen Spannungen mit den USA geprägt. Eine Phase wechselseitiger Zölle und Exportbeschränkungen ging erst nach umfangreichen Verhandlungen in eine stabile Vereinbarung über. Aufgrund des im Frühjahr 2026 in Kraft getretenen Supreme Court-Urteils führten die zusätzlichen Zollregelungen zu verbesserten Rahmenbedingungen für China im Vergleich zu anderen asiatischen Export-Ländern.

Das gesamtwirtschaftliche Wachstum blieb positiv, wurde jedoch überwiegend von starken Exporten getragen. Die Binnenwirtschaft entwickelte sich hingegen verhalten und schwächte sich im Verlauf des Geschäftsjahres 2025/26 weiter ab.

High‑Tech‑Industrien wie Automobil und Spezialmaschinenbau konnten weiterhin wachsen, auch wenn sie im Verlauf des Geschäftsjahres 2025/26 etwas an Dynamik verloren. Private Konsumausgaben, Bauwirtschaft und Investitionstätigkeit blieben weitgehend schwach. Die Geschäftsentwicklung der chinesischen voestalpine‑Standorte zeigte demnach ein heterogenes Bild: Automotive Components war aufgrund intensiven Wettbewerbs bereits seit Beginn des Geschäftsjahres 2025/26 von geringer Nachfrage betroffen und schwächte sich angesichts Kürzungen von Kaufanreizen im Verlauf der Berichtsperiode weiter ab. Auch die Nachfrage im Bereich Tubes & Sections trübte sich während des Geschäftsjahres 2025/26 zunehmend ein. Die Nachfrage nach hochqualitativem Werkzeugstahl blieb positiv, und auch Railway Systems fand ein stabiles Marktumfeld vor.

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