Rohstoffe
Im Geschäftsjahr 2025/26 war das Marktumfeld bei den wesentlichen Rohstoffen und Energien trotz einzelner witterungsbedingter und geopolitisch bedingter Einflüsse insgesamt von einer moderaten Dynamik geprägt. Innerhalb des voestalpine‑Konzerns bilden Eisenerz und Kokskohle bzw. Koks im Rahmen des Hochofenprozesses die zentralen Einsatzmaterialien für die Steel Division und die Metal Engineering Division. Im LD-Stahlwerk werden dem Roheisen recycelter Schrott sowie Legierungen zugesetzt. In der High Performance Metals Division kommen vorwiegend hochqualitativer recycelter Stahlschrott sowie verschiedene Legierungselemente im Bereich der Elektrolichtbogen‑Technologie zum Einsatz.
Eisenerz
Eisenerz ist ein natürlicher Mineralstoff, der typischerweise aus der Erdkruste gewonnen wird und Eisen in Form von Eisenoxiden, hauptsächlich Hämatit und Magnetit, enthält. Eisenerz stellt den wichtigsten Rohstoff für die Erzeugung von Rohstahl über die Hochofenroute dar.
China blieb auch im Kalenderjahr 2025 mit Abstand der größte Stahlproduzent weltweit, trotz eines Rückgangs der Rohstahlproduktion auf erstmals unter eine Milliarde Tonnen seit 2019. Deutlich zugenommen hat 2025 hingegen die Rohstahlerzeugung in Indien, wenngleich das Land nur eine untergeordnete Rolle als Importeur von Eisenerz spielt und damit begrenzten Einfluss auf die internationale Preisbildung ausübt.
Nachdem sich bereits im vergangenen Geschäftsjahr 2024/25 die Volatilität des Eisenerzpreises deutlich reduziert hatte, war die Preisentwicklung auch im Geschäftsjahr 2025/26 von lediglich moderaten Schwankungen geprägt. Während der Eisenerzpreis zu Geschäftsjahresbeginn bei knapp über 100 USD pro Tonne (61 % Fe, CFR China) notierte, fiel er bis zum 1. Quartal 2025/26 auf rund 90 USD pro Tonne. Eine verhaltene Stahlproduktion in China wirkte dämpfend auf die Nachfrage nach dem wichtigsten Primäreinsatzstoff für die Stahlherstellung. Im weiteren Verlauf setzte über die Sommermonate eine leichte Erholung ein, sodass sich der Eisenerzpreis bis zum Ende des Kalenderjahres 2025 nachhaltig bei knapp über 100 USD pro Tonne stabilisierte. Hohe Lagerbestände in China wirkten sich zu Beginn des Kalenderjahres 2026 leicht preisdämpfend aus, der Preis bewegte sich bis Ende März 2026 in einer engen Bandbreite zwischen rund 100 und 110 USD pro Tonne.
Kokskohle
Kokskohle, auch als metallurgische Kohle bezeichnet, ist das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Koks. Er entsteht durch die Verkokung von Kokskohle unter Luftabschluss bei hohen Temperaturen. Koks dient im Hochofenprozess als Reduktionsmittel und bildet das Gerüst im Inneren des Ofens, das die Durchlässigkeit des Gasstroms sicherstellt.
Australien nahm auch im Geschäftsjahr 2025/26 als führender Exporteur von Kokskohle eine zentrale Rolle in der globalen Angebotsstruktur und damit in der internationalen Preisbildung ein. Gleichzeitig gewannen alternative Lieferregionen, zum Beispiel Nordamerika, weiter an Bedeutung. Auf der Nachfrageseite blieb Asien im Geschäftsjahr 2025/26 prägend. Neben China als größtem Bedarfsträger für diesen Rohstoff nahm insbesondere die Bedeutung Indiens in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu.
Zu Beginn des Geschäftsjahres 2025/26 zeigte sich der Preis für Kokskohle volatil und bewegte sich in einer Bandbreite von ca. 170 bis 200 USD pro Tonne. Bis zum Ende des Kalenderjahres 2025 stieg der Preis moderat auf etwa 220 USD pro Tonne an. Im 4. Quartal 2025/26 kam es phasenweise zu deutlich stärkeren Preissteigerungen auf bis zu rund 250 USD pro Tonne. Diese waren vor allem auf wetterbedingte Lieferbeeinträchtigungen zurückzuführen, unter anderem infolge von Überflutungen und temporären Hafenschließungen in Australien im Zusammenhang mit einem Tropenzyklon.
Stahlschrott
Stahlschrott stellt in der hochofenbasierten Stahlerzeugung einen wertvollen Ergänzungsrohstoff dar und bildet in der Elektrolichtbogenroute neben hochreinen Eisenträgern, wie etwa HBI (Hot Briquetted Iron), die zentrale Rohstoffbasis. Stahlschrott entsteht als Neben- oder Abfallprodukt in Produktionsprozessen, zum Beispiel durch Verschnitt bei der Herstellung von Autoteilen. Der überwiegende Teil des eingesetzten Stahlschrotts stammt aus dem Recycling von Stahlerzeugnissen, die das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben und von Recyclingunternehmen wiederaufbereitet werden. Stahl ist somit ein integraler Bestandteil einer Kreislaufwirtschaft.
Zu Beginn des Geschäftsjahres 2025/26 zeigte der Preistrend zunächst einen leichten Rückgang von rund 380 USD pro Tonne (CFR Türkei) auf etwa 330 USD per Ende April 2025. In der Folge stabilisierten sich die Schrottpreise über die Sommermonate hinweg, bevor es im 3. Quartal 2025/26 zu einem moderaten Preisanstieg kam. Bis zum Ende des Kalenderjahres 2025 kehrten die Preise in etwa auf das Ausgangsniveau von Anfang April 2025 zurück. Nach einer mehrmonatigen Phase mit weitgehend unveränderter Preisentwicklung kam es gegen Geschäftsjahresende 2025/26 zu einem Anstieg auf rund 390 USD pro Tonne.
Legierungen
Legierungen werden in der Stahlherstellung benötigt, um die Eigenschaften des Materials, zum Beispiel Festigkeit, Härte, Korrosionsbeständigkeit, Zähigkeit sowie Verarbeitbarkeit zu definieren. Im Stahlwerk kommen Legierungen als Ergänzung zu Roheisen und Stahlschrott bei der Herstellung hochqualitativer Stahlsorten zum Einsatz. Insbesondere bei der Produktion von Werkzeugstahl und Sonderwerkstoffen in der High Performance Metals Division nehmen hochwertige Legierungen einen bedeutenden Anteil am gesamten Rohstoffeinsatz ein. Für diese Division stellt Nickel das wichtigste Legierungselement dar.
Entgegen dem Trend vergangener Jahre zeigte sich der Preisverlauf von Nickel an der London Metal Exchange (LME) im Geschäftsjahr 2025/26 sehr stabil und bewegte sich in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26 auf einem Niveau von etwa 15.000 USD pro Tonne. Erst gegen Ende des Kalenderjahres 2025 verzeichnete der Nickelpreis einen deutlichen Anstieg um etwa 20 %. Preistreibend wirkte dabei die Ankündigung von Indonesien, einem der weltweit wichtigsten Nickelproduzenten, geplante Produktionskürzungen vorzunehmen. In der Folge stieg der Nickelpreis auf rund 18.000 USD pro Tonne und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2024. Mit Ende März 2026 notierte der Nickelpreis bei etwa 17.000 USD pro Tonne.
Ferro-Vanadium war über weite Strecken des Geschäftsjahres 2025/26 ebenfalls durch ein weitgehend stabiles Preisniveau gekennzeichnet, erst mit Beginn des Kalenderjahres 2026 zeigten sich markante Preissteigerungen. Ferro-Molybdän sowie Ferro-Chrom wiesen hingegen über den gesamten Geschäftsjahresverlauf hinweg eine etwas höhere Preisvolatilität auf.
Energien
Erdgas und elektrischer Strom zählen zu den zentralen Energiequellen des voestalpine-Konzerns. Die hochofenbasierten Stahlstandorte der voestalpine in Österreich sind durch die interne Verstromung der im Produktionsprozess anfallenden Hüttengase zu einem Großteil elektrisch energieautark. Demgegenüber benötigen die Elektrolichtbogenöfen für die Edelstahlerzeugung in der High Performance Metals Division größere Mengen an Fremdstrom. Erdgas wird vor allem zur Erwärmung von Rohstahl vor der Weiterverarbeitung in den Walzwerken sowie zur Wärmebehandlung von Stahlprodukten eingesetzt.
Der Erdgaspreis bewegte sich zu Beginn des Geschäftsjahres 2025/26 zunächst in einer Bandbreite von rund 30 bis 40 EUR je MWh (Spotmarkt THE Settlement, Deutschland), bevor er sich bis zum Ende des Kalenderjahres 2025 auf einem Niveau von knapp über 30 EUR je MWh stabilisierte. Mit Beginn des Jahres 2026 kam es infolge witterungsbedingt steigender Nachfrage zu Preisanstiegen auf über 40 EUR je MWh. Anfang März 2026 führten geopolitische Spannungen im Nahen Osten infolge der zeitweisen Sperrung der Straße von Hormus zu einem raschen Anstieg der Erdgaspreise auf über 60 EUR je MWh. Gegen Ende des Geschäftsjahres 2025/26 lag der Preis schließlich bei einem Niveau von rund 50 EUR je MWh. Die im Mai 2022 vertraglich gesicherten eigenen Gasspeicherreserven in Höhe von 1,5 TWh wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 um die Hälfte reduziert, zur strategischen Absicherung hält die voestalpine aber weiter an den eigenen Gasspeicherkapazitäten fest.
Der Preisverlauf bei elektrischem Strom war zu Beginn des Geschäftsjahres 2025/26 zunächst von einer Abschwächungsphase geprägt. Bis zum Ende des 1. Quartals 2025/26 verringerte sich der Strompreis auf rund 65 EUR je MWh (Spotmarkt EPEX AT Base). In der Folge stieg der Preis bis zum Ende des Kalenderjahres 2025 kontinuierlich auf etwa 115 EUR je MWh an. Anfang des Kalenderjahres 2026 kam es kriegsbedingt zu weiteren Preisanstiegen auf rund 140 EUR je MWh, bevor sich der Strompreis wieder rückläufig entwickelte und mit Ende März 2026 bei rund 115 EUR je MWh notierte.