Online Geschäftsbericht   
back icon next icon

Ausblick


Die globale Wirtschaftsentwicklung wird im Frühjahr 2010 fast ausschließlich durch makroökonomische Parameter geprägt. Die Entwicklung einzelner Unternehmen, ja zum Teil auch ganzer Wirtschaftssektoren wird von politischen sowie wirtschafts- und währungspolitischen Grundsatzdiskussionen und -entscheidungen überlagert und in den Hintergrund gedrängt. Selten waren in den vergangenen Jahrzehnten Strukturen und Positionen im globalen Wirtschafts- und Währungsgefüge derart in Frage gestellt wie in diesen Wochen und Monaten – von der Grundsatzthematik des Verhältnisses zwischen Politik und Wirtschaft generell über die Grenzen der Verschuldungsfähigkeit von Volkswirtschaften bis hin zur Frage der Regulierung von Kapital- und Finanzmärkten.

Vor diesem Hintergrund ist heute weniger als noch vor einigen Monaten abschätzbar, wie weit die Auswirkungen des stärksten Konjunktureinbruchs der letzten Jahrzehnte definitiv überwunden sind und ob für die nächsten Jahre von einer zumindest schrittweisen Erholung der Weltwirtschaft ausgegangen werden kann. Zusätzlich stellt sich im Lichte der progressiv zunehmenden Verschuldungssituation in einer Reihe von – nicht nur europäischen – Ländern die Frage, ob eine breitflächige Erholung der Weltkonjunktur in absehbarer Zeit überhaupt realistisch ist oder ob nicht nur von einem, möglicherweise auch bloß vorübergehenden Aufschwung in einzelnen Regionen ausgegangen werden sollte.

Die entscheidende Rolle zur Beantwortung dieser Frage wird der Konjunkturentwicklung in Asien, vor allem der Nachhaltigkeit des Aufschwungs in China zukommen. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die chinesische Währungs- und Wechselkurspolitik eine immer größere Bedeutung für den künftigen Verlauf der globalen Handelsströme. Vor allem aus europäischer Sicht wird nicht zuletzt die weitere Entwicklung des Euro in Relation zu den anderen wesentlichen Währungen konjunkturbestimmend sein. Abgesehen von der kapitalmarktberuhigenden Wirkung einer möglichen Euro-Konsolidierung könnte das aktuelle Geschehen längerfristig für Europa aber auch positive Aspekte haben: Sollte es in Verbindung mit der Lösung der Verschuldungsprobleme einzelner europäischer Staaten zu einer stärkeren wirtschaftlichen Integration der Europäischen Union bzw. des Euro-Raums kommen, würde dies auf längere Sicht auch zu einer maßgeblichen Stärkung dieses Wirtschaftsraums im globalen Wettbewerb führen.

Neben diesen grundsätzlichen Unwägbarkeiten bleibt im Zusammenhang mit der Beurteilung der möglichen weiteren Entwicklung zusätzlich auch eine Reihe offener Fragen aus industriespezifischer Sicht: Welche Branchen werden sich rascher erholen, welche erst längerfristig? Wie lange wird es dauern, die aktuelle Verdoppelung der Rohstoffkosten über die gesamte Wertschöpfungskette der Stahlprodukte an den Markt weiterzugeben? Was bedeuten nach Jahrzehnten jährlicher Preisvereinbarungen erstmals quartalsweise Preisfestlegungen auf der Rohstoffseite für die Preisbildung gegenüber den Kunden?

Aber auch wenn vieles in Bezug auf die weitere Entwicklung offen und unsicher erscheint, so gibt es doch eine Reihe von Fakten, die zumindest für die nächsten Monate ein Anhalten der positiven Grundtendenz erwarten lassen: eine hervorragende Auslastungssituation in den Divisionen Stahl und Bahnsysteme sowie ein anhaltend positiver Trend in den Divisionen Edelstahl, Profilform und Automotive; eine stabil gute Nachfrage in den wichtigen Kundensegmenten Automobil- und Hausgeräteindustrie, Eisenbahninfrastruktur sowie Alternativenergien, eine steigende Nachfrage im konventionellen Energiebereich, im Maschinen- und Werkzeugbau sowie im Nutzfahrzeugbereich. Einzig die Sektoren Bau und Luftfahrt lassen bisher nur wenig Belebung erkennen. Zusätzlich unterstützend für ein Anhalten des positiven Trends wirken eine unverändert eher entspannte Importsituation in Europa im Stahlbereich, in allen Divisionen nach wie vor nicht über Normalniveau liegende Kundenläger sowie ein tendenziell steigendes Preisniveau.

Zusammenfassend gesehen ist damit, trotz eines aus den einleitend dargestellten Gründen sehr herausfordernden wirtschaftlichen Umfeldes, jedenfalls für die 1. Hälfte des Geschäftsjahres 2010/11 mit einer weiteren Verbesserung des Konzernergebnisses zu rechnen. Die 2. Jahreshälfte ist in ihrer Entwicklung aus heutiger Sicht kaum abschätzbar; im Hinblick auf das im Jahresverlauf zunehmende Wirksamwerden weiterer Kosteneinsparungsmaßnahmen ist aber auch im Gesamtgeschäftsjahr 2010/11 für den voestalpine-Konzern ein über dem Vorjahr liegendes Ergebnis absehbar.